15 Jahre Schüleraustausch Reichelsheim-Kuusamo

Masterarbeit untersucht Wirkungen der deutsch-finnischen Partnerschaft

Seit mehr als 15 Jahren verbindet die Georg-August-Zinn-Schule (GAZ) in Reichelsheim und das Kuusamon Lukio in Finnland ein regelmäßiger Schüleraustausch. Welche Wirkungen kann ein vergleichsweise kurzer Auslandsaufenthalt bei Jugendlichen entfalten – und was braucht es, damit aus einer internationalen Begegnung interkulturelles Lernen entsteht? Diesen Fragen ist Ceyda Esra Civelek, Absolventin des Masterstudiengangs International Management an der Technischen Hochschule Aschaffenburg, in ihrer Masterarbeit nachgegangen. Die Ergebnisse stellte sie am 30. September 2026 im Rahmen eines deutsch-finnischen Freundschaftsabends in Darmstadt vor. Die Deutsch-Finnische Gesellschaft Hessen e. V. unterstützte die Untersuchung als Praxispartner durch ein Stipendium und die Finanzierung eines Forschungsaufenthalts in Kuusamo.

Für ihre qualitative Fallstudie führte Civelek 16 Interviews mit Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften und Ansprechpersonen für Koordination auf deutscher und finnischer Seite.

Die Ergebnisse beschreiben insbesondere eine größere Offenheit und Neugier der teilnehmenden Jugendlichen sowie eine differenziertere Wahrnehmung der eigenen Kultur. Eine kritischere Auseinandersetzung mit eigenen Vorstellungen zeigt sich vor allem dort, wo Erfahrungen bewusst reflektiert und eingeordnet werden.

Civelek bei der Präsentation

„Besonders interessant war für mich, dass die Wirkungen nicht mit dem Ende des Austauschs aufhören. In den Interviews wurde deutlich, dass internationale Erfahrungen danach eher als etwas wahrgenommen werden, das man sich selbst zutraut. Ein Schüleraustausch kann damit Entwicklungen anstoßen, die sich zum Teil erst später zeigen“, erläutert Civelek.

Der Austausch wirkt dabei über die unmittelbar beteiligten Jugendlichen hinaus. Auch zwischen den beteiligten Lehrkräften sind über die langjährige Zusammenarbeit Lern- und Austauschprozesse entstanden. Besonders deutlich zeigt sich die institutionelle Wirkung an der GAZ: Dort wird die Partnerschaft mit Kuusamo rückblickend als „Initialzündung“ für die weitere internationale Entwicklung der Schule beschrieben. Aus dem zunächst deutsch-finnischen Austausch entwickelte sich schrittweise ein breiteres internationales Netzwerk. Auch am Kuusamon Lukio entstanden weitere internationale Aktivitäten.

Die Partnerschaft wurde von Beginn an durch Erich Krichbaum, stellvertretender Vorsitzender und Bildungsbeauftragter der DFG Hessen, begleitet und unterstützt. Gemeinsam mit den beteiligten Lehrkräften beider Schulen trug er dazu bei, den Austausch über viele Jahre zu verstetigen. Die wissenschaftliche Betreuung der Masterarbeit übernahm Prof. Dr. Renate Link vom Institut für Interkulturelle Kommunikation der TH Aschaffenburg. Birgit Kraus, Vorsitzende der DFG Hessen, begleitete die Arbeit als Co-Betreuerin.

Für die weitere Gestaltung des Austauschs ergeben sich auch konkrete Anregungen. Dazu gehören insbesondere eine stärker strukturierte Reflexion der Erfahrungen, die organisatorische Abstimmung zwischen den Schulen und die Frage, wie auch Jugendliche erreicht werden können, für die ein Auslandsaufenthalt zunächst weniger selbstverständlich erscheint.

Gruppenfoto vor Präsentationsfolie

Die Masterarbeit ist zugleich ein Baustein beim Ausbau der Bildungsarbeit als neuem Standbein der DFG Hessen. Künftige Projekte sollen die Zusammenarbeit mit Schulen und Hochschulen weiter ausbauen und wissenschaftliche Erkenntnisse stärker für die praktische Bildungsarbeit nutzen.

„Gerade bei einem Austausch, der seit vielen Jahren erfolgreich besteht, lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Die Ergebnisse zeigen nicht nur, was gut funktioniert, sondern auch, wo wir gemeinsam weiterarbeiten können. Genau solche Erkenntnisse wollen wir künftig stärker für unsere Bildungsarbeit nutzen“, so Birgit Kraus.

 

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