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Vernissage “Tulikettu” in Wetzlar

Mai 29 @ 20:30

Am Freitag, 29. Mai 2026, lädt der Wetzlarer Fotograf Michael Friedchen zu einer besonderen Vernissage in die Wetzlarer Stadtbibliothek ein. Titel der Ausstellung ist “Tulikettu” – Feuerfuchs. Mitglieder der Bezirksgruppe Wetzlar der Deutsch-Finnischen Gesellschaft unterstützen den Abend mit einigen kulinarischen finnischen Leckerbissen.

Polarlichter in Finnisch-Lappland
(Foto: Michael Friedchen) Polarlichter über Finnisch-Lappland

Die finnische Legende vom Feuerfuchs Tulikettu hat dieser Serie den Namen verliehen. Die Aufnahmen entstanden während einer Expedition in der Nähe von Ivalo, weit im Norden Finnlands, bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt und in der absoluten Stille der Natur. Die Bilder zeigen das Zusammenspiel aus der verschneiten Natur Lapplands und den spektakulären Lichtphänomenen, die den Nachthimmel in ein surreales Farbenmeer verwandeln.

Michael Friedchen ist in Wetzlar geboren und widmet sich seit den 80er Jahren mit großer Leidenschaft der Fotografie. Seine Arbeit ist getragen von dem Wunsch, das real Gesehene – den ursprünglichen Eindruck, das Gefühl, die Emotion – auf das Foto zu übertragen. Es ist sein künstlerisches Ziel, beim Betrachter eine Resonanz zu erzeugen, die über die bloße Abbildung hinausgeht.

Über seine Motivation und Intentionen sagt der Fotograf selbst:

Meine Arbeit ist motiviert durch eine einzige, fundamentale Notwendigkeit: den unaufhaltsamen Fluss der Zeit zu unterbrechen. Fotografie ist für mich nicht bloß die Abbildung der Realität, sondern ein direkter Eingriff in die Vergänglichkeit. Jeder Augenblick ist einzigartig und unwiederholbar – ein Moment, der im nächsten Atemzug unwiderruflich der Geschichte angehört. Durch das Objektiv wird dieser flüchtige Zustand isoliert, eingefroren und in eine physische Form überführt. Meine Bilder sind somit Versuche, die Dynamik des Lebens in einem statischen Bild zu bannen.
Sie konfrontieren den Betrachter mit der Vergangenheit in der Gegenwart und erinnern daran, dass alles, was ist, im Begriff ist zu vergehen. Die Kamera dient als Anker in der Bewegung, als philosophisches Werkzeug, das die Zeit nicht nur festhält, sondern sie in ihrer ewigen Bewegung sichtbar macht.
Die Essenz meiner Arbeit liegt in der Transformation von Wahrnehmung in Emotion. Ich mache es mir zur Aufgabe, das flüchtige Gefühl, den spontanen Eindruck und die Tiefe des real Gesehenen in jedes Foto zu transportieren. Diese Übertragung ist eine fortwährende Herausforderung, doch der Aufwand definiert meinen Anspruch: Ein gelungenes Bild muss im Betrachter eine Resonanz erzeugen. Es soll nicht nur betrachtet, sondern gefühlt werden und dabei die ursprüngliche Emotion und die Intensität des Moments neu erwecken.

Polarlichter von Miachel Friedchen

Tulikettu, die Legende vom Feuerfuchs, die Legende vom Nordlicht

Die finnische Bezeichnung für die Nordlichter lautet Revontulet, was wörtlich übersetzt „Fuchsfeuer“ bedeutet. Und dies ist die Legende, die diesem Namen Leben einhaucht:
Vor Anbeginn der Zeit lebte in den schneebedeckten Fjells von Lappland ein mystisches Wesen, das selbst die erfahrensten Jäger nie zu Gesicht bekamen: der Tulikettu, der Feuerfuchs. Er war nicht aus Fleisch und Blut, sondern aus reinem, glühendem Geist. Sein Fell leuchtete in allen Farben des Sonnenuntergangs, und sein gewaltiger, buschiger Schwanz war durchtränkt von arktischer Magie.
Der Tulikettu rannte schneller als jeder Windhauch. Wenn er durch die unendliche Tundra streifte, war er so geschickt und leichtfüßig, dass er den Schnee kaum berührte. Doch jedes Mal, wenn sein feuerfunkelnder Schwanz einen hohen Berg oder eine vereiste Kiefer streifte, flogen winzige, glühende Funken in den Himmel. Diese Funken waren so intensiv, dass sie sich in der kalten, trockenen Luft entzündeten und die ganze Dunkelheit in Bewegung versetzten. Sie fächerten sich auf zu riesigen, tanzenden Vorhängen aus Grün und Gold, Rot und Violett. Es war, als würde der Feuerfuchs den Himmel mit seinem Schwanz fegen und ihn so zum Leuchten bringen. Die Jäger Lapplands wussten: Wer es schaffte, den sagenumwobenen Tulikettu zu fangen oder auch nur eine einzelne Strähne seines glühenden Fells zu erbeuten, dem war unermesslicher Reichtum und Glück auf Lebenszeit sicher. Doch der Fuchs war klüger als jeder Mensch und schneller als das Licht, das er erschuf.
Bis heute ist niemandem der Fang gelungen. Und so läuft der geheimnisvolle Feuerfuchs noch immer in den weiten, einsamen Nächten über die Fjells. Jedes Mal, wenn die Revontulet am Himmel erscheinen, ist das ein Zeichen dafür, dass der Tulikettu gerade an uns vorbeigehuscht ist und mit seinem Schwanz eine Spur der Hoffnung und der Magie hinterlassen hat.

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